Kritzekrebsmarkt

  • Samstag, 30. Januar 2010 um 16:42 Uhr
  • Aktualisiert Sonntag, 04. April 2010 um 09:53 Uhr
  • Geschrieben von: Christian P.

 

 

Der Kritzekrebsmarkt im Wandel der Zeit

Das Marktrecht besitzt Mellingen schon seit dem Jahre 1609, als der Ort mit einem Jahrmarkt belehnt wurde, der immer am Sonntag “Rogate” stattfand. Herzog Wilhelm Ernst von Weimar bestätigte die Verleihung am 11. Juli 1704, verlegte aber den Markt auf Bitten der Gemeinde auf den Montag nach “Kantate”.

Der herzogliche Befehl lautete: “Den sämtlichen Gerichtsschöppen, Heimbürgen und Ältesten zu Mellingen wird auf ihren unterem 19 Juni eingereichtes untertäniges Schreiben, worin dieselben, dass ihr Jahrmarkt, welcher auf den Dienstag nach dem Sonntag “Rogate” zu halten , vorgesehen auf den Montag nach “Kantate” verlegt werden möge, untertäniges Ansuchen getan, hiermit zur Nachricht vermeldet, dass ihrem Gesuch . . . Satt und Raum gegeben wird.”

Der Gemeinde Mellingen als fürstliches Privileg vor über 390 Jahren gnädigst zugesprochen, hat der Markt lange Zeit seinen ursprünglichen Charakter behalten. Wichtig war damals der Austausch von Waren.

Was wurde nun auf dem Mellinger Jahrmarkt in erster Linie gekauft und verkauft? Hauptsächlich Schuhwaren, Tuche, Beutlerwaren, Leder, Strümpfe, Hüte, Band und Knopfwaren, Feuersteine und –schwämme, Körbe, Eisenwaren, Kurzwaren, Horn- und Blechwaren, Heringe, Galanteriewaren, Zuckerzeug, jeder Art, auch in Form des Kritzekrebses aus Schokolade oder Teig, und noch vieles mehr, etwa siebzig Handelswaren.

Nun heisst dieser Markt seit eh und je Kritzekrebsmarkt. Der Fremde fragt, was das für ein eigenartiges Tier sein sollte. Hier im Ilmtal nannte man den Maikäfer früher so. Als Symbol aus Blech hängt er zur Kirmes auf dem Anger.

Seit der Jahrhundertwende entstand aus dem Kritzekrebsmarkt die Kirmes. Da ging es nach genauen Riten und Vorschriften zu. Planburschen und Planjungfern bildeten die Kirmesgesellschaft. Sie benannten einen Bierhahn oder Burschenvater. Der wurde von den Planjungfern zu Himmelfahrt geschmückt, bekam allerlei Larifari umgehängt und trug immer eine Gießkanne voller Bier herum.

Nachdem am dritten Osterfeiertag die Kirmesgesellschaft gegründet worden war fand fünf Wochen später, drei Tage lang am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag der traditionelle Plantanz statt. Acht Tage danach wurde um 24 Uhr auf dem Abschiedsball unter “Tränenvergießen” die Kirmes begraben. Die Gastwirte hatten stets ihre Vorteile. Die Händler und Gäste waren unterzubringen und zu beköstigen nebst Ausspanne. Während des Marktes waren die Leute freigiebiger. Wer Geld hatte, gab es aus.

Um 1845 wurde ein Viehmarkt durchgeführt. Er blieb aber keine ständige Einrichtung.

“Plan” wurde der Bretterboden auf dem Dorfanger genannt. Er war eingegrenzt, und auf ihm durften die Planjungfern und Planburschen, die ein Tanzgeld entrichtet hatten, tanzen. Die Planmädchen wurden ausgelost. Der älteste Planbursche begann mit der Wahl seiner Planjungfer, und der Jüngste musste das nehmen was übrig blieb.

Machmal gab es “lange Gesichter” wenn man lieber mit einer anderen die ganze Kirmes gefeiert hätte. Es gab aber auch erfreute Mienen, wenn man die richtige bekam. Manchmal entstanden aus solchen Planfreundschaften auch Ehen.
 

Leider hat sich noch keiner so rechte Gedanken gemacht, wie man alte Traditionen mit heutigen Auffassungen vom Feiern verbinden könnte. Disko ist wahrscheinlich nicht der Weisheit letzter Schluss
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